Einführung in die menschliche Wahrnehmung

Du bist hier: Home - Wahrnehmung - Einführung in die menschliche Wahrnemung

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, FühlenWir nehmen unsere Umwelt über unsere Sinne wahr: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Sie sind unsere einzige Verbindung zur Außenwelt und liefern ständig Informationen an unser Gehirn. Dort werden die eingehenden Signale (Input) verarbeitet und zu einem schlüssigen Bild unserer Umwelt zusammengefügt. Je nach Situation ergibt sich daraus eine Reaktion, die vom Gehirn an den Körper geschickt wird (Output). Ertasten wir mit unserer Hand eine unerwartet heiße Herdplatte, ziehen wir die Hand sofort zurück. Diese Reaktion wird sehr schnell ausgeführt, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Die Verarbeitung findet hier unbewusst statt, im Gegensatz zu den bewusst kognitiven Entscheidungen: Wenn sich beim Überqueren einer Straße ein Auto nähert, entscheiden wir je nach Entfernung und Geschwindigkeit des Autos bewusst, ob wir stehen bleiben oder die Straße vorher noch überqueren können.

Die Sinnesorgane liefern ununterbrochen Informationen über unsere Umwelt, doch erst das Gehirn gibt diesen Eindrücken einen Sinn, indem es sich unserer Erfahrungen bedient: Im ständigen Abgleich zwischen dem Input aller Sinnesorgane und unserer gespeicherten Erfahrung bewertet unser Gehirn die Situation und lässt uns ’sinnvolle‘ Gegenstände und deren Beziehungen erkennen. Der Unterschied zwischen dem Sehen und dem Erkennen wird am Beispiel von Schriftzeichen und Zahlen deutlich, wenn wir als Europäer nicht-lateinische Schriften wie Arabisch oder Chinesisch vor uns haben. Weiter unterscheidet die Psychologie zwischen dem Empfinden, also dem reinen Registrieren von Reizen über die Sinnesorgane und dem Wahrnehmen, der kognitiven Weiterverarbeitung und ‚Sinn-Geben‘ der Reize.

Dabei folgt das Erkennen und ‚Sinn-Geben‘ bestimmten Mustern, den Gestaltprinzipien. Diese Erkennungsmuster sind einerseits angeboren, andererseits erlernt und helfen unserem Gehirn dabei, den Input sehr schnell zu analysieren und in Kategorien einzuordnen – sei es nur in die Überlegung, ob das Wahrgenommene bekannt ist oder nicht, gefährlich oder harmlos, ob wir uns also auf Kampf oder Flucht einstellen sollen. Die Fähigkeit, das Wahrgenommene schnell in diese Kategorien einteilen zu können, und somit Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, läuft unbewusst und automatisiert ab.

Automatisierte Tätigkeiten entlasten unser Gehirn und schaffen Raum für Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit benötigen. Eine ungemein wichtige Funktion, wenn man bedenkt, wie viele Informationen unsere Sinnesorgane liefern: Pro Sekunde kommen ca. 100 MB an Daten im Gehirn an [1]. Das entspricht ca. 25.600 DinA4 Seiten [2]. Um diesen Datenstrom bewältigen zu können, nutzt das Gehirn unterschiedlichste Strategien: Daten werden reduziert und gewichtet durch Einordnung in bekannte Systeme, Erfahrungen und Erwartungen, Unwichtiges wird von Wichtigem getrennt und so fort. Dieses Prinzip der Wahrnehmungsfilter dient dazu, wichtige Reize bestmöglich erkennen bzw. möglichst schnell verarbeiten zu können und nimmt dabei in Kauf, dass zeitgleich andere Bereiche der Umwelt vernachlässigt werden (selektive Aufmerksamkeit). Welche Auswirkungen dies in der Wahrnehmung unserer Welt, der zwischenmenschlichen Kommunikation und unserem Selbstverständnis hat, soll Thema von stroopr.de sein und in weiteren Artikeln beleuchtet werden.

Quellen:

    • [1] Manfred Spitzer. Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Spektrum Akademischer Verlag. 2006. Seite 53
    • [2] Auf eine DinA4 Seite passen rund 4.000 Anschläge ~ 4 KB. 1 MB (=1024 KB) / 4 KB = 256 Seiten pro MB.
Back to top